eMobility-Apps | &Charge

Lesezeit: 11 Minuten

Zeit für ein neues Projekt. Mit diesem Artikel beginnt eine Serie von Beiträgen, in denen ich verschiedene Apps vorstelle, die ich im Elektroauto-Alltag nutze und für wertvoll erachte.

Besonders in den Anfangszeiten der Elektromobilität war man ohne eine Vielzahl an Apps relativ hilflos. Routen mit mit Ladestopps wollten geplant werden, Ladesäulen wollten gefunden und auch freigeschaltet werden und Ladeerlebnisse wollten für andere dokumentiert und bewertet werden. Und für jeden dieser Fälle gab, und gibt es noch immer, zahllose Apps, wovon viele aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht sinnvoll benutzbar sind. Manche entstammen betriebsblinden regionalen Unternehmen, andere basieren auf unvollständigen oder veralteten Daten. Viele sind zu kompliziert und zu unintuitiv, technisch unzuverlässig gebaut, werden nicht mehr gepflegt oder bestehen nur aus nutzloser Gamification.
Dank der immer besser werdenden Ladeinfrastruktur (sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch der Qualität der Ladepunkte) und der fortschreitenden Integration der oben genannten Funktionen in die Fahrzeuge, wird die Mehrzahl der eMobility-Apps täglich ein wenig mehr obsolet. Vor allem für Durchschnittsautofahrer:innen, die einfach von A nach B kommen wollen, ist das auch ein begrüßenswerter Umstand und essenziell für die schnelle und großflächige Verbreitung der Elektromobilität.
Wenngleich es auch in der absehbaren Zukunft gute Gründe für eMobility-Apps geben wird. Sei es zur Optimierung von Reiserouten oder Ladekosten, oder einfach aus Interesse an der Sache selbst.

In jedem Fall sind vollständige, richtige und aktuelle Daten die Grundlage für eine zufriedenstellende Nutzer:innenerfahrung.
Diese Datenbasis zu verbessern, ist eine der Kernaufgaben, denen sich &Charge widmet. Wie das bewerkstelligt wird und welchen Nutzen man schon direkt aus der Verwendung der App ziehen kann, werde ich in diesem Beitrag aufbereiten.
&Charge ist bisher vor allem im deutschen Markt verbreitet und ich möchte mit diesem Artikel dazu beitragen, dass auch mehr österreichische Elektromobilist:innen in den Genuss der App kommen, die ich regelmäßig und gerne verwende.

Dieser Beitrag ist im Zuge einer Kooperation mit &Charge entstanden.

Was &Charge NICHT kann

  • Routen planen
  • Ladestrom anbieten
  • Ein Forum sein
  • Datenlogging und Fahrzeugdiagnose durchführen

Ich finde, es gibt wenig peinlicheres für Plattformen, als Funktionen einzubauen, nur um sie am Papier anbieten zu können und diese dann halbherzig und schlecht umzusetzen, sodass sie neben Marketingzwecken keinerlei praktischen Nutzen bieten. &Charge macht das glücklicherweise nicht.

Was &Charge kann

Im Folgenden möchte ich besonders auf jene Funktionen eingehen, die schon jetzt für Nutzer:innen in Österreich sinnvoll verwendbar sind. Die Verbesserung der Qualität von Ladeorten und der Daten über dieselben ist in allen Fällen die zugrundeliegende Motivation von &Charge.

Wer &Charge ausprobieren möchte, kommt über diesen Link direkt zur App.

Kilometer sammeln

Kilometer sind bei &Charge die universelle Währung, in welcher man Guthaben sammeln kann.
Dieses ist dann für Fahrstrom, Mobilitätsdienstleistungen oder Gutscheine einlösbar. Alternativ kann man es auch für einen guten Zweck spenden.

Die einfachste Möglichkeit, Kilometer zu sammeln, ist Einzukaufen.
&Charge hat eine Vielzahl an Partnershops, wo man meist je nach Betrag oder manchmal auch pro Einkauf Kilometer erhält. Zu den Unternehmen zählen Conrad, EMP, ESET, Lieferando, Momox, OBI, Otto, Reifendirekt, oeticket, Cyberport, Bergzeit und viele mehr. Bei manchen Partnern erhält man sogar zusätzlich noch einen Rabatt auf die Bestellung.
Ich persönlich nutze aber vor allem Booking.com, um bei den Buchungen meiner privaten und dienstlichen Hotelaufenthalte Kilometer zu sammeln. Besonders toll ist dabei, dass bestehende Genius-Rabatte unberührt bleiben, wenn man &Charge nutzt.

Von Booking.com kann man natürlich halten, was man will. Ich nutze die Plattform jedenfalls sehr gerne, um Unterkünfte zu finden, auf die ich ohne Booking.com wohl nie gekommen wäre. Die User Experience ist einfach sehr gut. Wenn ich allerdings ein Quartier buche, das ich schon kenne, präferiere ich die direkte Buchung in der Unterkunft. So hat am Ende jeder etwas davon.

Der Vorgang ist sehr einfach: Man sucht in der &Charge App (oder -Website) den gewünschten Partner und wechselt von dort zum jeweiligen Webshop. Dort führt man wie gewohnt den Kauf oder die Buchung durch und einige Zeit später werden die gesammelten Kilometer gutgeschrieben.

Neben den genannten Shops zählen noch viele weitere zu den Partnern von &Charge. Darunter finden sich auch einige Flugbuchungsportale, die, meiner persönlichen Meinung nach, nichts auf einer Plattform verloren haben, die sich für nachhaltige Mobilität einsetzt. Dieser Umstand ist &Charge aber durchaus bewusst und entsprechende Änderungen wurden mir gegenüber in Aussicht gestellt.

Der Wert eines Kilometers

Als Nerd will natürlich wissen, wie viel man effektiv sparen kann.
Ein Kilometer hat den Gegenwert von etwa 0,08€. Wenn man nun den Durchschnitt der Shops heranzieht, so ergibt sich im Mittel ein Rabatt von etwa 3,2%, welcher in Form von Kilometern gutgeschrieben wird, wenn man etwas über &Charge einkauft oder bucht.
Bei unserem letzten Urlaub haben wir gut 1.400€ für Unterkünfte ausgegeben, womit fast 45€ gespart haben müssten.

Challenges

Eine weitere Möglichkeit, Kilometer zu sammeln sind Challenges.
Dabei geht es darum, von einer nahegelegenen Ladestation Fotos zu machen oder diese zu bewerten. Eine Challenge kann aber beispielsweise auch aus der Nutzung einer Anzahl verschiedener Partnershops bestehen.
Ersteres ist auch eine der zentralen Methoden, um die Qualität der Ladeinfrastruktur, und der Daten über jene, zu verbessern. Jede und jeder kann so mit einfachen Mitteln dazu beitragen, das Ladeerlebnis für alle zu verbessern.

Wallbox Sharing

Wenn ich mich recht erinnere, war es dieses Feature, was mich überhaupt auf &Charge aufmerksam gemacht hat. Jede:r kann die eigene Wallbox für andere nutzbar machen. Besonders in Ladewüsten wie dem Mariazellerland oder an Orten, wo man über jeden Parkplatz froh ist, kann Wallbox Sharing eine tolle Lösung darstellen.
&Charge bietet dabei die Plattform für die Abwicklung der Ladevorgänge von der Buchung über die Abrechnung bis zur Bewertung. Dabei ist es unerheblich, welche Wallbox man hat, solange man irgendwie die geladene Energiemenge feststellen kann. Hat man einen Easee Home Laderoboter, kann die Abrechnung vollautomatisch erfolgen, wie in meinem Fall reicht aber auch ein einfacher Hutschienenzähler, um die ziemlich dumme Tesla-Wallbox dafür verwenden zu können.
Die Vergütung der Ladungen kann entweder in Euro oder in Kilometern erfolgen.

Kürzlich habe ich erstmals selbst das Wallbox-Sharing in Anspruch genommen, während ich einen Ausflug zu einem wunderschönen Wasserfall und einer ganze Reihe alter Mühlen unternommen habe.

Guthaben einlösen

Hierfür stehen, auch in Österreich, mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.
Einerseits kann man die gesammelten Kilometer bei einem Fahrstromanbieter wie EnBW einlösen, andererseits kann man auch die Auszahlung in Form von Gutscheinen in Anspruch nehmen.
Konkret könnte ich meine knapp 900 Kilometer in 60€ Ladeguthaben bei EnBW, 60€ Uber-Voucher oder 50€ Amazon-Gutschein umwandeln. EnBW funktioniert auch bei vielen Ladesäulen in Österreich und ist Partner-CPO bei den Säulen von Smatrics.

Heute habe ich mein Guthaben genutzt, um eine der sonst preislich recht unattraktiven Ladesäulen von Porsche zu besuchen. Dazu habe ich 100 Kilometer in 8€ Guthaben bei EnBW umgewandelt.

Wie weiter oben bereits erwähnt, kann Guthaben auch gespendet werden. Ich habe mich hierbei für den WWF entschieden.

Hier kann man &Charge herunterladen und selbst ausprobieren.

Ausblick, Generelles und was ich mir wünschen würde

Einige deutsche Fahrstromanbieter sind bereits direkt in die App von &Charge integriert, was auch bei den wichtigsten österreichischen Akteuren wie Smatrics, da-emobil oder einem der BEÖ-Mitglieder wünschenswert wäre. Laut &Charge ist ebendies derzeit in Arbeit und man kann damnächst mit Ergebnissen rechnen.

Eine große Zahl an Partner-Shops anbieten zu können ist zweifellos schön, aber natürlich soll die App keineswegs zu unnötigem Konsum anregen. Das würde grundsätzlich dem Nachhaltigkeitsgedanken widersprechen.

Abschließend würde ich mir, neben Uber, mehr Mobilitätsdienstleister wie Lime oder Ufodrive wünschen, bei welchen man das gesammelte Guthaben einlösen könnte. Auch E-Bike-Vermietungen könnten sich sehr gut in das Portfolio einfügen. Die Anrechenbarkeit der gesammelten Kilometer auf ÖPNV-Angebote wie das Klimaticket würden wohl auch ein paar tolle Möglichkeiten eröffnen.
Außerdem wäre es zweifellos angebracht, die Flugbuchungsportale durch welche für Zugreisen oder andere nachhaltigere Mobilitätsangebote zu ersetzen.


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